Tante Emma lädt zum Verweilen ein

Von unserer Mitarbeiterin
DOROTHEE QUARÉ-ODENTHAL

 

TRIER. Sie ist ein echtes "Maarenser Urgestein", und seit sie ihren Tante-Emma-Laden hat, ist sie aus dem Viertel nicht mehr wegzudenken. Doch Rita Drumm hat noch mehr zu bieten.

 

Heutzutage einen kleinen Lebensmittel-Laden eröffnen? Wie kann man nur! "Fast alle haben mir abgeraten", sagt Rita Drumm. "Sie hatten einfach Angst, dass es schief geht." Dies war vor knapp zweieinhalb Jahren. Sie hatte dreißig Jahre im Verkauf gearbeitet, war gerade arbeitslos geworden. "Ich hab’ schon immer davon geträumt, mich selbstständig zu machen", erinnert sich Rita Drumm. "Ich wollte gern ein Café oder Bistro aufmachen." Wagnis Selbständigkeit hat sie gereizt

Bereut hat sie ihren Schritt zum eigenen Laden bisher nicht. "Man muss natürlich sehr viel Arbeit reinstecken, und verdient hab’ ich früher auch mehr", verrät sie. Doch Ideen hat sie viele, und ihrem Traum ist sie auch nähergekommen: Im Herbst griff sie wieder zu (elektrischem) Hammer und Meißel, auch ein Nachbar half mit. Am ersten Dezember konnte sie ihr "Stehcafé zur Gemütlichkeit" in ihrem Laden "Uns’ Rita" in der Maarstraße eröffnen.

 

Der kleine Raum schimmert in warmem Gelborange, liebevoll dekorierte Tische laden zum Verweilen ein. "Ich wollte gern, dass sich die Leute auch mal in Ruhe treffen können, dass sie nicht in Hetze einkaufen müssen", sagt Rita Drumm.

 

Außerdem mache ihr das gemütlich Einrichten und Dekorieren viel Spaß. An den Wänden des Cafés sind ihre großformatigen Ölgemälde zu bewundern: Oft sind es Blumen, aber auch ein an Monet erinnerndes Landschaftsgemälde und "Damen an der Bar". Die im Maarviertel geborene und aufgewachsene Künstlerin lächelt: "Das hab’ ich wohl von meinen Eltern. Mein Vater war Plakatmaler und Werklehrer, meine Mutter betreibt naive Malerei. Ihre Märchenbilder verschenkt sie gern im Verwandtenkreis." Rita Drumm hat bereits das eine oder andere Kunstwerk verkauft.

 

"Das Malen ist mein Ausgleich und Hobby, dadurch komme ich zur Ruhe", betont sie.

 

Urlaub hat sie in den letzten zwei Jahren kaum gehabt, doch Rita Drumm ist zufrieden. "Ich würde eigentlich jedem raten, es zu probieren", meint sie zum Thema Selbstständigkeit. Und sie ergänzt: "So vier bis fünf Jahre braucht man wohl schon, dann fängt’s an zu laufen. Man sollte nicht nach ein paar Monaten schon aufgeben!" Vor allem ihre Schwester sei ihr eine große Hilfe. Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen seien die Voraussetzung, meint die "Tante Emma" vom Maarviertel.

 

Ihre Kunden können gern auch Bestellungen aufgeben; Sonderwünsche werden erfüllt, wenn möglich. "Ich hab’ sehr liebe Kunden", strahlt Rita Drumm. "Das Maar ist ein Gebiet, wo die Menschen sich alle kennen. Daher wollte ich sie gern zusammenführen. Die Leute freuen sich, ein Schwätzchen zu halten oder eine Tasse Kaffee zu trinken." Eine ältere Kundin stimmt zu: "Das ist hier nicht mit Gold aufzuwiegen", meint sie. Die Läden im Maarviertel seien sich keine Konkurrenz, ergänzt Rita Drumm. "Wir arbeiten zusammen."

 

Bereits als Kind habe sie beim Fleischer und beim Bäcker in der Maarstraße eingekauft.

 

Auch für ihr Viertel hat Rita Drumm einen Traum: "Man könnte es noch mehr beleben, mehr an die Innenstadt angliedern", meint sie. "Wir haben die Kirchen, das Stadion, die Jugendherberge hier.

Und die Häuschen sind alle schön hergerichtet worden, auch in der Bachstraße. Für Touristen hat das Maarviertel doch viel zu bieten!"